Prof. Rajna Gibson Brandon – Nachlese

Professor of Finance, Geneva Finance Research Institute, University of Geneva and Member of the Board of Directors of Group BNP Paribas, France

Erneut lädt die Statistisch-Volkswirtschaftliche Gesellschaft Basel zu einem Referat in der Aula der Universität Basel ein. Dr. Gottlieb A. Keller, Präsident der Statistisch-Volkswirtschaftlichen Gesellschaft Basel eröffnet die gut besuchte Veranstaltung zum Thema «The sustainability footprint of institutional investors» und stellt dem interessierten Publikum die eindrückliche Vita von Frau Prof. Rajna Gibson Brandon vor. Neben ihrer Professur für Finanzen an der Universität Genf ist Prof. Rajna Gibson Brandon im Verwaltungsrat der BNP Paribas und stellvertretende Direktorin am Geneva Finance Research Institute (GFRI). Zuvor war sie im Verwaltungsrat der Swiss Re, Mitglied der Eidgenössischen Bankenkommission und erhielt bereits im jungen Alter von 28 Jahren ihre erste Professur im Bereich Finanzen an der Universität Lausanne. Ihre Forschungsinteressen liegen insbesondere in den Bereichen Asset Pricing, Risk Management und Corporate Finance. Unter grossem Applaus betritt die Gastrednerin die Bühne und bedankt sich für die Einladung zum Referat nach Basel.

Einführend weist Prof. Gibson Brandon auf das Thema ihres Referates ‒ Nachhaltige Investitionen ‒ hin, wobei sie unter Bezugnahme eigener Forschungsresultate der Fragestellung nachgeht, welche Rolle institutionelle Anleger im Rahmen der Umsetzung einer verantwortungsvollen bzw. nachhaltigen Anlagepolitik einnehmen. Dabei stellen sich Fragen nach der Präferenz und Motivation von institutionellen Investoren nachhaltig zu investieren und ob nachhaltige Investitionen mit einer höheren risiko-adjustierten Performance einhergehen. Der Begriff «Sustainability» schliesst unter anderem Themen wie Umwelt, Diversität, Menschenrechte oder Sicherheit am Arbeitsplatz ein. Nachhaltige Investitionen bestehen aus langfristigen Anlagen und werden neben der finanziellen Performance auch nach ESG-Kriterien (environmental, social und governance) bewertet.

Nach einer allgemeinen Einführung zum Thema «Sustainability» führt Rajna Gibson Brandon für die Erläuterungen zu ihrer Forschungsarbeit den Begriff «sustainability footprint» als einen «Wert zur Messung der Nachhaltigkeit in Aktienportfolios von institutionellen Investoren» ein. Je höher dieser Wert ist, desto nachhaltiger sind die Investitionsstrategien der institutionellen Anleger. Dabei bildet der Zusammenhang zwischen dem «sustainability footprint» der institutionellen Investoren und der risikoadjustierten Performance die Kernfrage (positiv, negativ, kein Zusammenhang).

Prof. Gibson Brandon präsentiert folgende drei Hypothesen für institutionelle Investoren, wobei die Forschungsarbeit von Bénabou und Tirole (2010) zu einem ähnlichen Themenbereich als Grundlage diente. 1. «Doing well by doing good», wo nachhaltige Investitionen zur Maximierung der Investment Performance führen sollen; 2. «Delegate philanthropy», wo durch nachhaltige Investitionen die Bedürfnisse der Kunden/Stakeholder repräsentiert werden; 3. «Insider initiated philanthropy», wo nachhaltige Investitionen zu Imagezwecken verfolgt werden, was eine zynische Note hat und mit Greenwashing verglichen werden kann. Nach detaillierten Erläuterungen zu den umfangreichen Forschungsergebnissen kann zusammenfassend festgehalten werden, dass die Ergebnisse mit der ersten Hypothese konsistent sind, wo die risiko-adjustierte Performance besser ist für Institutionen mit höheren «sustainability footprints». Dabei weisen langfristig ausgerichtete Investoren einen besseren «sustainability footprint» auf. Bei der Frage nach der Kausalität führt ein natürliches Experiment zum Ergebnis, dass eine positive kausale Beziehung zwischen Sustainability und Performance besteht. Basierend auf den positiven Ergebnissen der Forschung stellt sich die Frage, weshalb eine Umstellung zu nachhaltigen Investitionen nur langsam voranschreitet. Mögliche Gründe sind etwa fehlendes Fachwissen bei ESG-Themen und Investitionsstrategien, Schwierigkeiten bei der Standardisierung und Messung von ESG-Ratings, oder aktuelle geografische und makroökonomische Rahmenbedingungen.

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